Die ersten Jahre auf der Pfingstweide

von Pfarrer Traugott Hahn


für die Festschrift der ARGE Pfingstweide anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Pfingstweide 1994
(mit freundlicher Genehmigung der ARGE Pfingstweide)


Als 1969 die ersten Wohnungen auf der Pfingstweide bezogen wurden, gehörte die Pfingstweide noch zur Protestantischen Kirchengemeinde Ludwigshafen-Edigheim. Durch kurze Informationsschreiben und Hausbesuche wurden bis April 1970 die ersten Kontakte mit den neu zugezogenen Bewohnern geknüpft. Dies geschah durch Edigheimer Gemeindemitgliederzusammen mit Pfarrer Feucht und Vikar Lange.


Das Presbyterium Edigheim machte damals schon Vorschläge zur Planung eines Protestantischen Gemeindezentrums in der Pfingstweide, die aber ohne größere Beachtung blieben.


Zum 1. Mai 1970 wurde ich - nach meiner Ausbildungszeit im Predigerseminar - durch den Landes- kirchenrat mit der Verwaltung der neu geschaffenen 2. Pfarrstelle Lu-Edigheim beauftragt.


Diese Pfarrstelle beinhaltete als Seelsorgebezirk das Wohnbaugebiet Pfingstweide und erforderte eine etwas andere Gemeindekonzeption als im alten Ortsteil Edigheim. Das bedeutete, dass die kirchliche Arbeit in der Pfingstweide relativ selbstständig erfolgen musste, was vom Presbyterium Edigheim akzeptiert und von Pfarrer Feucht unterstützt wurde. Es gelang auch bald, Gemeinde- mitglieder aus der Pfingstweide als beratende Vertreter in das Presbyterium zu berufen.


Die gottesdienstliche Arbeit in der Pfingstweide konnte im Juni 1970 im katholischen Provisorium an der Grundschule aufgenommen werden, d.h. in einem Haus fanden nacheinander katholische rund evangelischer Gottesdienst statt. Wir waren sehr dankbar für dieses Angebot. Es war mit grund- legend für das gute Einverständnis zwischen den Pfarrern und auch zwischen den Gemeinden. Dies setzte sich dann auch fort mit gemeinsamen Aktionen (Gemeindebrief, Hausbesuche zur Begrüßung mit Brot und Salz, gemeinsame Gottesdienste, Andachten, Bibelwoche, Öffnung der Kinder- und Jugendgruppen für beide Konfessionen usw.)


Im Juli 1970 konnte dann ein eigenes Montage-Gemeindehaus in Dienst genommen werden ("Baracke" genannt), das die Gesamtkirchengemeinde Ludwigshafen in recht kurzer Zeit für den Beginn unserer Gemeindearbeit erstellen ließ. In diesem Gebäude war gleichzeitig ein Kindergarten untergebracht mit Platzangebot für 50 Kinder. Dies schien uns zunächst eine der vordringlichen kirchlichen Aufgaben.

Hinter der Errichtung dieses Provisoriums stand folgender Gedanke: Hier sollte sich erst einmal eine Gemeinde bilden, die dann selbst nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen ihr eigenes Gemeinde- zentrum planen und bauen sollte. Dieser Gedanke an sich war recht gut, aber es dauerte dann doch bis 1975 (Kindergarten) und 1976 (Kirche und Gemeinderäume, Pfarrhaus), bis das Protestantische Gemeindezentrum fertig gestellt war. Die Gemeinde jedenfalls, die schon früher hätte planen und bauen können, war spätestens Ende 1972 so weit, dass man von einer gut funktionierenden Gemeinde sprechen konnte. So wurden wir ja auch zum 1. Januar 1973 selbstständige Kirchengemeinde.


Vielleicht hatte man an kirchenleitender Stelle (Landeskirchenrat, Gesamtkirchengemeinde) - zumindest anfangs - das Gesamtprojekt Pfingstweide etwas unterschätzt. Nicht nur die Stadt, sondern auch die Evangelische Kirche war sich also dessen nicht voll bewusst, welche Fülle von Aufgaben und welche Probleme auch mit der Pfingstweide auftauchen würden. Andererseits waren die ersten Jahre auf der Pfingstweide, die sogenannte Pionierzeit in der "Baracke" mit all den Provisorien und dem Häufchen engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine äußerst wichtige und fruchtbare Phase für die eigene Kirchengemeinde und für das gesamte Wohngebiet. Die weithin ungedeckten Bedürfnisse nach Kommunikation, die fehlende Infrastruktur forderten das Engagement geradezu heraus. Viele von denen, die damals von sich aus und ohne große Vorbehalte mit anpackten und eine lebendige Gemeinde entstehen ließen, sind heute nicht mehr in der Pfingstweide anzutreffen, haben sich aber hoffentlich in anderen Kirchengemeinden neu eingebracht.


Geblieben ist aber einiges, was damals schon angeregt und auf den Weg gebracht wurde. Dazu zählen sicher:

* der gute Kontakt zwischen den beiden Kirchengemeinden;
* die PFINGSTWEIDE-ZEITUNG, die im September 1973 als Informations-
und Kommunikationsforum herausgegeben wurde;
* eine Kindergarten-Konzeption für die gesamte Pfingstweide;
* die Gründung eines eigenen Sportvereins (SVP) und
* vieles mehr aus dem Angebotskatalog der Kirchengemeinde


Beide Kirchengemeinden haben sich gemeinsam bemüht, mitzuhelfen, aus dem Stadtteil Pfingstweide ein lebens- und liebenswertes Wohngebiet zu schaffen. Und sie haben versucht, selber ein Ort zu sein, an dem viele einen Halt und Orientierung finden, besonders die vielen jungen Menschen.


Darin liegen auch in Zukunft die Chancen und Möglichkeiten der Kirche, dass sie für die Menschen in diesem Stadtteil da ist und weiterhin eine dienende Funktion für diesen Stadtteil und die Menschen für ihn ausübt.

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