Gottes Zeit

„Zeit“, sagte mein Opa jedes Jahr an Silvester, „Zeit ist eine seltsame Sache. Fünf Minuten im Bad sind relativ kurz. Aber fünf Minuten vor dem Bad können ziemlich lang werden.“ Jedes Jahr kam mein Opa an Silvester in philosophische Stimmung.


Ist es nicht seltsam“, sagte er dann, „an keinem anderen Abend im Jahr vergeht die Zeit so langsam.“ Und jedes Jahr musste ich ihm Recht geben. Wenn man wartet, bis es endlich zwölf wird, dann kriecht die Zeit nur so dahin.


Wenn ich heute an Silvester auf das Jahr zurückschaue muss ich sagen: „Das ging ja wieder so schnell vorbei.“ Im Rückblick ist das Jahr auf ein paar Momente zusammengeschrumpft. Oft vergesse ich, was schlecht war, und erinnere mich nur an die guten Augenblicke.


Für manche Leute war das Jahr nicht gut, es gab viel, was sie aushalten und durchstehen mussten. Für sie dauerte das Jahr eine gefühlte Ewigkeit und sie sind froh, dass es endlich vorbei ist.


Die Bibel kennt diese unterschiedlichen Erfahrungen von Zeit auch. Aus der Perspektive von Gott ist die Zeit sehr relativ.


„Tausend Jahre sind vor dir Gott / wie der Tag, der gestern vergangen ist.“ (Psalm 90,4).


Für Gott zählt nicht die Länge der Zeit. Ob tausend Jahre oder ein Tag – bei Gott kommt es darauf an, was man erlebt, was man tut.


Wir gehen immer vorwärts. Freuen uns auf das neue Jahr oder haben Angst davor, was es bringt. Das alte Jahr liegt hinter uns.


Gott überblickt aber unser ganzes Leben. Er sieht unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Er passt darauf auf, dass kein Moment unseres Lebens verloren geht. Er ist mit uns traurig, wenn wir schlechte Zeiten erleben. Er freut sich mit uns, wenn es uns gut geht. Unsere Zeit liegt in Gottes Hand. Das Ende des alten Jahres und der Anfang des neuen. Gott geht mit uns durch unser ganzes Leben.


Deshalb können wir mit neuem Mut in das neue Jahr gehen. Weil wir wissen: wir sind nicht allein. Wenn wir die Zeit genießen und sie nur so dahin fliegt. Und selbst wenn die Zeit langsam dahin schleicht und wir hoffen, dass es endlich vorbei geht. Gott ist an unserer Seite. Wir müssen keine Angst haben. Selbst wenn unsere Zeit abläuft wie das alte Jahr mit diesem Tag zu Ende geht. Gott ist bei uns.


An Silvester, im neuen Jahr und auch vor der Badezimmertür.


Pfarrer Dr. Paul Metzger


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