Frauen in der Reformationszeit / Heilige Reformation oder verirrte Ketzer

Vortrag bei der Kolpingsfamilie Pfingstweide

„Frauen in der Reformationszeit“



Welche Frauen haben in der Reformationszeit eine herausragende Rolle gespielt? Bei der Antwort auf diese Frage müssen auch viele Frauen passen.


Deshalb war der gut illustrierte Vortrag von Frau Monika Kreiner, Referentin für Frauenseelsorge im Bistum Speyer, ein ´highlight´ zu diesem Thema. Ein besonderes Verdienst von Frau Kreiner war zudem, dass der Vortrag ganz im Zeichen der Ökumene stand. Pfarrer Eiswirth stellte die Referentin vor und führte in die Vortragsreihe ein. Im Namen der Kolpings-familie begrüßte Herr Kippenberger die Gäste.


Frau Kreiner befasste sich nicht nur mit dem Leben der Frauen dieser Zeit, sondern exemplarisch auch mit dem Wirken dreier Frauen, die unerschrocken für ihre Ansichten eintraten und trotz religiöser Vorurteile und erbitterten Widerstandes religiöser Meinungsführer daran festhielten. Damit wurden sie vielen Frauen zum Vorbild und prägten ein neues Rollenbild der Frauen. Nicht immer waren sie mit Luthers Theorien über ein erfülltes Frauenleben einverstanden. Doch obwohl sie durch ihr eigenes Leben teilweise im Widerspruch dazu standen, lagen ihnen die Gedanken der Reformation am Herzen und sie trugen zu ihrer Verbreitung bei. Vor allem verstärkte die These vom direkten Zugang des Menschen zu Gott ihr Selbstvertrauen.

Auf der anderen Seite bedeutete Luthers Vorstellung von der Ehe als Ideal und höchste Lebensform für jede Frau eine Einschränkung der Selbstständigkeit der Frauen, die Geschäfte führten oder in einem Orden lebten.



Mit der Abhängigkeit von ihren Ehemännern durch die Verantwortung für die Familie und die Sorge für die Kinder verloren viele Frauen ihre eigenen Bildungschancen. Das Klosterleben war verpönt.


Caritas Pirchheimer

Demgegenüber hielt z.B. Caritas Pirckheimer, die Schwester des Gelehrten Willibald Pirckheimer, am Klosterleben fest. Durch die bei den Klarissen in Nürnberg erworbene Bildung und den Kontakt zu den Freunden ihres Bruders, allesamt
große Gelehrte, wurde sie selbst eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Im Konflikt um den Erhalt des Klosters blieb sie zwar ihrem Gelübde treu, würdigte aber die vermittelnde Rolle und die Persönlichkeit Melanchthons und gilt so als Vorbild für ökumenische Gespräche.


Argula von Grumbach

suchte und fand nach dem frühen Tod ihrer Eltern (durch die Pest) Trost in der Bibel und in dem neuen reformatorischen Glauben. Sie wurde zur bekanntesten Verfasserin von Flugschriften (20 000 Drucke), in denen sie sich auch für einen jungen Studenten einsetzte, der unter Androhung des Scheiterhaufens seinem evangelischen Glauben abschwören sollte. Luther schätzte sie zwar, unterstützte sie aber nicht. Von ihren Feinden wurde sie trotzdem ´die ´lutherische Furie´ genannt, von ihren Freunden dagegen die ´Jüngerin Jesu oder die ´Zeugin der Wahrheit´.


Katharina Zell (*Schütz)

Auch die Straßburgerin studierte Luthers Schriften und predigte in seinem Sinne. Sie hielt sogar die Grabrede auf ihren verstorbenen Mann, wofür sie angefeindet wurde. Prägend war sie in der Rolle der Pfarrfrau, die in ihrer Gemeinde in vielerlei Weise aktiv ist. Außerdem nahm sie Flüchtlinge (Mennoniten, Wiedertäufer) auf, die damals verfolgt wurden. So gilt sie als tolerante und vielleicht die erste feministische Theologin ihrer Zeit.


In einem abschließenden Teil beschäftigte sich Frau Kreiner mit der Rolle der Frauen in der (katholischen) Kirche heute.


Sie haben an Einfluss gewonnen, aber die Arbeit geht weiter, denn ´Ecclesia semper reformanda est´ = die Kirche muss immer wieder erneuert werden. Ein herzlicher Dank an dieser Stelle nochmals an die Referentin, die ihr Thema kompetent und mit viel Enthusiasmus vortrug.


Ursula Päßler



Heilige Reformatoren oder verirrte Ketzer?


Die Frage ist provokant, nur schwer mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Umso größer waren die Erwartungen an den Referenten, der diesen Titel für seinen Vortrag am 22. Oktober 2017 in der katholischen Kirche ausgesucht hatte.


Es war der letzte Vortrag in einer Themenreihe zur Reformation, die von der Kolpingsfamilie organisiert worden war. Diakon Karl-August Wendel begrüßte im Namen der Gemeinde und als Präses der Kolpingsfamilie den Referenten.


Der Referent, ein junger Priester, Dr. Frank Ewerszumrode von den Dominikanern, hat sich in seiner Dissertation mit Calvin und der Abendmahlslehre auseinandergesetzt und war deshalb mit den Lehren und Schriften der Reformatoren bestens vertraut.


Der Titel des Vortrags sollte darauf hinweisen, wie sehr sich die Beurteilung der Reformatoren im Laufe der Geschichte geändert hat. Wurden Luther, Calvin, Zwingli u.a. noch im 19. Jahrhundert von katholischer Seite als Lügner, Betrüger, Verführer, falsche Propheten, mit einem Wort, als Erzketzer gesehen, so wurden sie von protestantischer Seite fast als Heilige betrachtet, deren Verehrung ja eigentlich abgeschafft worden war.


2017 wird das Reformationsjubiläum nun zum ersten Mal ökumenisch gefeiert. Dabei ging Dr. Ewerszumrode der Frage nach, was das für beide Konfessionen bedeutet.


Wie weit können die Katholiken dabei mit den Protestanten feiern und haben die Protestanten uneingeschränkt Grund zum Feiern?


Beide Konfessionen, so Dr. Ewerszumrode, haben neben Buße und der Bitte um Vergebung auch Grund zum Feiern, denn durch die Reformation haben beide Konfessionen das Evangelium tiefer kennengelernt und beschreiten so den Weg der Annäherung im Sinne einer gegenseitigen Bereicherung noch weiter. So haben sie 1999 eine gemeinsame Erklärung zur reformatorischen Rechtfertigungslehre unterzeichnet, die Jahrhunderte lang die Kirchen gespalten hat. Beide Kirchen erkennen an, dass die Gnade Gottes nicht ´erkauft´ werden kann, weil sie immer unverdient ist und den Menschen geschenkt wird. Durch den Glauben daran empfängt der Sünder Gerechtigkeit.


Durch die Protestanten angeregt, haben auch die Katholiken die Heilige Schrift ´wiederentdeckt´ als einen ´Leuchtturm ´auf der Basis einer 2000-jährigen Tradition, die ´in die Breite´ geht.Seit dem 2. Vatikanischen Konzil gibt es daher in den Gottesdiensten mehr Lesungen als zuvor.


Eine gemeinsame Lösung für das Abendmahl bzw. die Feier der Eucharistie steht allerdings noch aus.


In der Ökumene werden die beiden Begriffe als „Herrenmahl“ (in der Bedeutung von ´das Mahl des Herrn´) bezeichnet, da dieser Begriff schon in der Bibel steht.


Eine gemeinsame Abendmahlsfeier scheitert bisher nicht am Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi im Herrenmahl, sondern am unterschiedlichen Verständnis der Kirche. Auch die beiden großen evangelischen Konfessionen (Reformierte und Lutheraner) waren 450 Jahre lang am Tisch des Herrn getrennt. Dr. Ewerszumrode mahnt daher Geduld an, wenn es zwischen Protestanten und Katholiken noch Zeit braucht, um die letzten schwierigen Fragen gut zu lösen. Ein ökumenischer Schnellschuss sei verfrüht.


Die ökumenischen Bewegungen beider Kirchen haben im Verhältnis zu den Jahrhunderte dauernden Kriegen und Auseinandersetzungen in den letzten Jahren sehr viel erreicht.


Angesichts der schnellen Veränderungen unserer Welt, die auch eine Auseinandersetzung der Religionen mit sich bringen, fühlen sich viele Menschen überfordert, ja sogar bedroht. Eine Vereinigung aller Christen, eine gemeinsame christliche Kirche, ist deshalb das Gebot der Stunde.


Dr. Ewerszumrode hat mit seinem Vortrag ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Dafür danken ihm beide Konfessionen.


Ursula Päßler



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