„Mit dem Herzen singen“

Chormusik zwischen barock-romantischer Klangtradition und modernen geistlichen Liedern

Viele Kirchenchöre haben ein Problem mit dem Nachwuchs, vor allem im ländlichen Raum – so hört man immer wieder. Wer also gute Chormusik hören wolle, der müsse in die Stadt gehen, doch manchmal ist es gerade umgekehrt.


Das bewies der Förderverein unserer Pfingstweide mit der Einladung des Kirchenchores aus LUSTADT, einem südpfälzischen Ort im Landkreis Germersheim.


Auch wenn LuStadt keine Stadt ist, kann sich der Ort doch des größten Kirchenchores der Region rühmen. Mit 30 seiner inzwischen 50 Mitglieder war dieser Chor am spätsommerlichen Sonntagnachmittag des 09. September in unserer evangelischen Kirche zu Gast.



Wahrscheinlich hatte das erste Konzert der Sängergruppe vor drei Jahren einen so nachhaltig-positiven Eindruck hinterlassen, dass sich trotz schönen Wetters zahlreiche Zuhörer/Innen in der Kirche einfanden. Sie wurden nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Sie gerieten von Anfang an in den Bann der Musik, die den Worten des Kirchenvaters Augustin, „Singe Gott!“ folgte.


Ja, so Augustin, man solle „mit dem Herzen singen“, denn das Herz freue sich ohne Worte. Mit dem Herzen und mit Worten sangen die Choristen, und unser Herz freute sich daran ganz ohne Worte: zunächst am Lobpreis Gottes, der im Eingangslied „Laudate nomen dei..“ angestimmt wurde und zu dessen ewiger Ehre und Erhabenheit der Gesang beitragen sollte, dann an den wunderbaren Vertonungen zu „Glaube, Liebe, Hoffnung“ mit der Liebe im Mittelpunkt. Sie kam in poetischen Metaphern zum Ausdruck: als Liebe, die den Menschen hält, ihn auf Flügeln trägt und seine Füße auf einen weiten Raum stellt, die über ihn wacht, die gütig, geduldig, freundlich ist, kurz, die Liebe von der wir alle träumen, verbunden mit der Hoffnung, die nie erlischt und dem Gottvertrauen, aus dem der Glaube wächst.


Das alles wurde in unterschiedlichen musikalischen Formen dargeboten: Bearbeitungen von Bibelstellen (Psalmen, Paulusbrief), Motette, Gavotte, Kantate, Gospelsong.


Dabei stellten die Texte auch historische und aktuelle Bezüge her: „We shall overcome“ erinnert an die Bürgerrechts-bewegung mit Martin Luther King - der Text vom Volk, das keine Heimat hat, lässt heute auch an die Palästinenser denken. Die einleitenden Hinweise zu den einzelnen Darbietungen waren dabei sehr hilfreich.


Das alles wurde aber erst durch die Form der Darbietungen zur vollen Wirkung gebracht:


Frau Heid, die ihre Sängerinnen und Sänger am E-Piano begleitete und dabei mit Gestik und Mimik auch noch dirigierte, konnte sich auf die Virtuosität der Mitwirkenden verlassen und die Musik durch ein einheitliches Klangbild mit sehr guter Testartikulation für alle zum Erlebnis machen.


Sie ist studierte Kirchenmusikerin mit langjähriger Gesangs-erfahrung und seit 30 Jahren Chorleiterin. Dabei hat sie das Kunststück fertig gebracht, durch die Umstellung ihres Repertoires auf neue, moderne Kompositionen junge Leute für die Chormusik zu motivieren. Unterstützt wird sie dabei auch (im Solo hörbar) von ihrem Mann, der eigentlich Gitarrist einer Rockband ist.


Ein großartiges Konzert, für das man sich nur beim Chor bedanken kann. Er hat sich damit am 09. September, dem offiziellen Tag des Denkmals, selbst ein Denkmal gesetzt.


Dank auch dem Förderverein-Team, das wie immer in angenehmer Atmosphäre für Speis und Trank gesorgt hat. Ihm ist weiterhin eine glückliche Hand bei seinen Veranstaltungen zu wünschen.


Ursula Päßler


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