Weihnachten: Wunsch und Wirklichkeit

Früher war die Welt noch in Ordnung:


„Der freundliche Saal war festlich geschmückt; alle Fenster des Hauses hatten ihre Blumen an ihn abgetreten; aber die Vorhänge waren nicht vorgezogen, damit der hereinleuchtende Schnee an die Jahreszeit erinnern möchte.“


Die Szene ist klar: ein warmes Zimmer in einem gut bürgerlichen Haus. Ein Tannenbaum steht in der Mitte. Sorgfältig geputzt, mit glänzenden Kugeln und brennenden Kerzen. Die Geschenke sind verpackt und sorgfältig drapiert. Die Familie ist ins Zimmer gekommen. Die Großeltern, Onkel und Tanten, die Kinder – alle sind da und alle freuen sich auf das Fest. Aber in der Mitte des Zimmers steht die Mutter. Und sie zieht alle Blicke auf sich:


„So schön war die Anordnung und ein so vollkommener Ausdrucks ihres Sinns, dass unbewusst und notwendig Gefühl und Auge zu ihr hingezogen wurden. Halb im Dunkel stand sie da, und gedachte sich unbemerkt an den geliebten Gestalten und an der leichten Freude zu ergötzen: aber sie war es, an der sich alle zuerst ergötzten. Das Kind umfasste ihre Knie und schaute sie mit den großen Augen an, ohne Lächeln, aber unendlich lieblich.“


Unendlich lieblich. So sollen Kinder an Weihnachten ihre Mütter ansehen. Die Mutter als Zentrum des Raumes. Wichtiger als alle Geschenke. Das, was sich die Kinder gewünscht haben, interessiert gar nicht. Unter dem Baum bleiben die Geschenke unbeachtet liegen. Die Mutter ist interessanter. Still und bescheiden hält sie sich im Hintergrund. Sie steht nicht im Glanz des Baumes, sondern im Halbdunkel. Doch die Kinder und die ganze Familie finden sie. Sie strömen zu ihr hin und bleiben andächtig stehen.



So beschreibt der evangelische Theologie Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher das Weihnachtsfest. 1806 feiert man Weihnachten noch so, wie es sein soll. Weihnachten wird noch als Fest der Geburt des göttlichen Kindes gefeiert. Nicht als Hochfest des Konsums.


Wenn man sich Weihnachten im Jahr 2017 noch genauso vorstellt, dann droht das Fiasko. Das Fest ist heute überladen von Wünschen. Ein Ende allen Kriegen! Frieden auf Erden! Und nur das reine Wohlgefallen.


Weihnachten ist gegenwärtig das Fest der süßen Kinder in kleinen sauberen Krippen. Mit sauberen Tieren und sorgfältig geputzten Schuhen. Der Nikolaus hat seinen Platz schon lange an den Weihnachtsmann von Coca-Cola abgetreten und das Christkind weiß nicht mehr, was es mit Jesus Christus zu tun hat. Ist es ein Engel oder gar Christus selbst?


Das Brauchtum hat Weihnachten fest im Griff. Ebenso wie Kunst, Kitsch und Kommerz. Und wir sind alle mit dabei. Selbst wer nicht an die Geburt des Herrn glaubt; entziehen kann er sich nicht. Das ganze Jahr ist auf Weihnachten ausgerichtet. Es bildet den Höhe- und den kommerziellen Schlusspunkt des Jahres. Erst nach dem Weihnachtsgeschäft wird abgerechnet und Bilanz gezogen.


Auf der einen Seite lässt sich also durchaus positiv festhalten: Weihnachten erfährt große Wertschätzung auf der ganzen Welt. Es ist Fest des Jahres. Auf der anderen Seite allerdings muss man aber auch kritisch fragen: Ist Weihnachten nicht mehr als Konsum und Krippenspiel?


Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, dass Sie den wahren Sinn von Weihnachten entdecken. Die Geburt der Liebe in eine unvollkommene Welt! Die Aufrichtung der größten und wichtigsten Beziehung, die es gibt: die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Das größte Geschenk!


Pfarrer Dr. Paul Metzger


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