Kirchen in Lu (23): Klaus Schindler ist seit 22 Jahren Pfarrer in der Gemeinde St. Albert - „Eine Kirche zum Anfassen"
von Ulrike DANSAUER
„Nix wie weg", hat sich der katholische Pfarrer Klaus Schindler gedacht, als er sich 1988 zum ersten Mal St. Albert und die Pfingstweide angesehen hat. Aber: „Von außen mag die Pfingstweide abweisend sein, von innen ist sie Feuer und Geist", schwärmt er heute.
Seit 22 Jahren ist Schindler in der Pfingstweide Pfarrer. „Ich hätte nie gedacht, dass ich es so lange hier aushalte." Aber da die Menschen in der Pfingstweide ein tolles Beziehungsnetz untereinander haben, ist ihm seine Wirkungsstätte ans Herz gewachsen. „Die Leute hier können sich gar nicht vorstellen, jemals von hier wegzuziehen." Die Gemeinde lebt von der Begegnung. „Sie hat einen absolut lebendigen Kern" von engagierten Ehrenamtlichen. Das Gemeindeleben fußt auf Offenheit. Die Menschen gehen aufeinander zu und haben keine festgefügte Tradition, so der Pfarrer.
Diese Offenheit zeigt auch die modern gestaltete Kirche, die die 1600 Quadratmeter der 16 Gemeinderäume und des Gottesdienstraums zum Teil gleichzeitig nutzt. Jugend- und Lehrküche, Mädchenraum, Übungsraum der Jugendband, Kegelbahn - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Keine Treppe bildet eine Barriere zum Kircheneingang, die Tür steht jedermann offen. Kirche soll nicht ausgrenzen. Das Foyer bietet mit Teeküche, Frühschoppen, Ostern und manchmal Mahlzeiten Raum für Gespräche. „Es ist die Nahtstelle zwischen Draußen und Drinnen", sagt Schindler. Welt und Kirche gehören zusammen. Die Räume leben von den Menschen, die sich einbringen. „Menschen sind Kirche", fasst er zusammen. Die Kirche sei einmalig in der Diözese, denn sie sei „eine Kirche zum Anfassen". Der Mensch ist frei und angenommen. Er wird von Gott „unbedingt geliebt, ohne die Frage ,Wo kommst du her?"".
Die Kinder- und Jugendarbeit sieht der Pfarrer als „absoluten Schwerpunkt" an. Über 100 Kinder und Jugendliche der kleinen Gemeinde seien zum Beispiel bei den Pfadfindern oder in der Kolpingjugend organisiert. Die Jugendband „Grusicals" habe am Anfang genauso gespielt wie der Name befürchten lässt, schmunzelt der Pfarrer. „Aber jetzt ist das eine Topband." Was ihn sehr freut: Aus der Jugendarbeit heraus gibt es eine ganze Reihe von jungen Frauen und Männern, die Theologie studieren und später als Gemeindeseelsorger oder Lehrer tätig sind.
Ein weiterer Schwerpunkt der Pfarrei ist die spirituelle Bildung. Schindler ist als geistliche Begleitung für Menschen tätig, die depressiv und/oder durch Krisen aus dem Takt gekommen sind. Die Menschen kommen zum Teil aus anderen Gemeinden. Für ihn sei es schön zu erleben, wie Menschen zu sich selbst finden. Er helfe ihnen dabei. Dabei sei er kein Therapeut, aber ein geistlicher Lehrer. Der für solche Situationen ausgebildete Pfarrer bietet dafür Meditationsangebote und geistliche Übungen wie meditative Atemübungen an. Zum Thema Kirche und Tradition sagt Schindler: „Kirche muss sich befreien aus selbst angelegten Fesseln." (udn)



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